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Keine klare Herkunftsangaben bei Honig

Verbraucherschützer bemängeln die aktuellen Kennzeichnungsvorschriften für Honig. Wurde er vermischt, ist die Herkunftsangabe nicht mehr aussagekräftig. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Oliver Berg/dpa/dpa-tmn)

Imker in Bayern und Verbraucherschützer fordern strengere Vorgaben für die Kennzeichnung von Honig. Bisher ist es beispielsweise ausreichend, wenn Hersteller auf dem Etikett etwa vermerken: Mischung aus EU- und Nicht-EU-Ländern.

«Ich kann den Honig dann nicht mehr bestimmen, wenn er vermischt ist», kritisierte der Präsident des Landesverbands der Bayerischen Imker, Stefan Spiegl, im mittelfränkischen Zirndorf. Sprich: Kommt er aus Deutschland oder Rumänien, Bulgarien, China oder Mexiko? Der Verbraucher wisse nicht, was er esse, «aber er sollte wissen, was er kauft», sagte Spiegl.

Herkunftsangaben zu Hauptzutaten gefordert

Auch die Verbraucherorganisation Foodwatch bemängelt die aktuellen Kennzeichnungsvorschriften. Aus ihrer Sicht müssten die Hersteller von Lebensmitteln von der EU-Kommission gesetzlich verpflichtet werden, mindestens die Herkunftsländer der Hauptzutaten ihrer Produkte anzugeben. «Die Herkunftskennzeichnung hat große Lücken», sagte Foodwatch-Sprecher Dario Sarmadi in Berlin.

Das Ursprungsland, in dem der Honig erzeugt wurde, ist auf dem Etikett anzugeben. Kommt der Inhalt jedoch aus mehreren Ländern, reichen auch pauschale Angaben für die Mischung: aus «EU-Ländern», aus «Nicht-EU-Ländern» oder eben «Mischung von Honig aus EU-Ländern und Nicht-EU-Ländern».

Auch spezielle Siegel helfen dem Konsumenten aus Sicht von Sarmadi wenig. «Siegeln sollte man eher skeptisch gegenüberstehen», sagte er. «Jedes Unternehmen kann sich theoretisch sein eigenes Siegel bauen.» Teilweise gehen die Kriterien nicht über den gesetzlichen Mindeststandard hinaus. «Das bringt Verbrauchern und Verbraucherinnen oftmals gar nichts.» Auch der Preis sage nichts über die Qualität aus. «Am Preis kann man nicht automatisch erkennen, wie gut ein Produkt ist.»

Importware meist günstiger

In den Supermärkten gehört Honig mit ausgewiesener Herkunft aus Deutschland meist nicht zu den günstigsten. Er kann rund 12 bis 15 Euro pro Kilo kosten. Importware ist oft wegen niedriger Produktionskosten günstiger.

Nach Erfahrung der Verbraucherzentrale Bayern gehört Honig zu den Produkten, bei denen besonders viel betrogen wird. «Honig ist ein Naturprodukt», erklärte die Fachberaterin für Lebensmittel, Daniela Krehl, in München. «Da darf man nichts reintun und auch nichts raustun.»

Die EU stellte fest, dass in die Union importierte Honigprodukte die geltenden Standards nicht immer erfüllen. Vor allem Honig aus China, dem weltgrößten Exporteur und größten Lieferanten Europas, steht immer wieder unter Pansch-Verdacht. Manchmal wird etwa Zucker zugesetzt – was bei dem Naturprodukt nicht zulässig ist. Die vergleichsweise teure Ware wird so mit billigen Mitteln gestreckt. Gesundheitlich ist das unbedenklich, aber Verbraucher werden getäuscht.

Wann Verbraucher misstrauisch sein sollten

Der Imkerverband mahnt daher, genau auf das Etikett zu schauen und misstrauisch zu sein, wenn etwa Händler Honig an der Haustür verkaufen wollen. Im Raum München habe es zuletzt vermehrt Fälle gegeben, dass Honig einer Firma angeboten worden sei, die nach Verbandsrecherchen aber gar nicht existiere, sagte Spiegl. Der Landesverband vertritt rund 33.000 Imkerinnen und Imkern in Bayern. Diese haben zusammen fast 200.000 Bienenvölker.

Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale verwies auf das Markenzeichen «Echter Deutscher Honig». Hier könne der Käufer relativ sicher sein, wirklich deutschen Imkerhonig zu bekommen. «Da habe ich eine gewisse Sicherheit für einen qualitativ hochwertigen Honig.» Auch günstige Produkte etwa vom Discounter seien qualitativ gut, wenn auch nicht unbedingt aus der Region, sagte sie mit Blick auf eine Analyse der Stiftung Warentest.