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Kind für die Wiederholung des Schuljahres stark machen

Wer ein Schuljahr wiederholt, dessen Sorgen wiegen oft viel mehr als alle Schulbücher zusammen. (Urheber/Quelle/Verbreiter: dpa-infografik GmbH/dpa-tmn)

Autsch! Ist für ein Kind klar, dass es ein Schuljahr – freiwillig oder unfreiwillig – wiederholen wird, ist das meist schmerzhaft. Kein Wunder, denn mit der Aussicht auf die Ehrenrunde klopfen so einige Ängste und Befürchtungen an.

«Für viele Kinder ist das wie eine Entwurzelung. Sie sind traurig, weil sie Angst haben, ihren alten Freundeskreis zu verlieren», sagt die Diplom-Pädagogin und Bildungsexpertin Jutta Wimmer.

Dazu kommt die große Ungewissheit, wie es in der neuen Klasse laufen wird. Finde ich Anschluss? Was, wenn ich abgelehnt werde? Dazu gesellen sich oftmals Gefühle der Scham oder des Versagens. «Sitzenbleiben kratzt für viele Kinder an ihrem Selbstwertgefühl – insbesondere wenn die Angst dazukommt, es im neuen Schuljahr wieder nicht zu packen», so Wimmer. Kurz: Diese Kinder tragen in dieser Situation einen Rucksack auf dem Rücken, in dem Sorgen viel mehr wiegen als alle Schulbücher zusammen.

Über mulmiges Gefühl ins Gespräch kommen

Was können Eltern tun, um ihr Kind für das neue Schuljahr stark zu machen? Wenn der Nachwuchs den Raum bekommt, das mulmige Gefühl im Bauch in Worte zu übersetzen, kann das Erleichterung schaffen. «Was in Worte gefasst ist, kann man bearbeiten. Es verliert seinen Schrecken», beschreibt Wimmer. Wichtig ist dann, dass die Eltern die Sorgen annehmen und nicht bagatellisieren. Aussagen wie «Mach dir nicht so einen Kopf – du wirst schon neue Freunde finden», sind zwar gut gemeint, helfen aber kaum.

Besser ist es, sich im Gespräch mit den Ängsten auseinanderzusetzen und Lösungen zu entwickeln. Dabei ist auch Kreativität gefragt: Quält das Kind das Gefühl, versagt zu haben, kann eine gemeinsame Internet-Recherche Linderung schaffen. «Es gibt viele Promis und erfolgreiche Menschen, die sitzen geblieben sind – man kann dem Kind zeigen, dass es in guter Gesellschaft ist», schlägt Wimmer vor.

Geht es um die Angst, die Freunde in der alten Klasse zu verlieren, können Eltern und Kind gemeinsam überlegen, wie die Verbindung zur alten Klasse gepflegt werden kann. «Wichtig ist, dem Kind zu vermitteln, dass es selbst etwas dazu beitragen kann, die Freundschaften zu erhalten», sagt Carola Wilhayn, Referatsleiterin der Schulpsychologie im Landesschulamt Sachsen-Anhalt.

Auch die Chancen im Wiederholungsjahr sehen

Auch wenn es sich für Kinder und manchmal auch für Eltern nicht so anfühlt: Ein wiederholtes Schuljahr steckt voller Chancen – in vielen Fächern sicherer zu werden, neue Freundschaften aufzubauen, selbstbewusster zu werden. Gelingt es Eltern, ihren Kindern das zu vermitteln, eröffnet sich eine neue Perspektive.

«Eltern haben eine Haltung zu der Entscheidung, dass ihr Kind eine Klasse wiederholt – sie finden es gut oder eben nicht», sagt die Lerntherapeutin und Diplom-Pädagogin Uta Reimann-Höhn. Diese Einstellung überträgt sich: Merkt das Kind, dass die Ehrenrunde seinen Eltern Bauchgrummeln bereitet, wachsen auch bei ihm schnell die Zweifel. Ein «Komm, wir packen das gemeinsam» ist für das Kind hilfreicher, als wenn die Eltern ständig über die Schule oder die Pandemie-Situation schimpfen.

Schon in den Sommerferien können Familien einiges tun, um den Start in das neue Schuljahr zu erleichtern. Reimann-Höhn plädiert dafür, sich dabei mehr um das Wohlbefinden des Kindes als um Lernlücken zu kümmern. «Wenn es der Psyche des Kindes gut geht, fällt der Start ins Schuljahr viel leichter», sagt Reimann-Höhn.

Schon vorher Kontakt zu einem Mitschüler knüpfen

Was sich Eltern und Kind für die Ferien ebenfalls vornehmen können: erste Kontakte zu den neuen Mitschülerinnen und Mitschülern zu knüpfen – etwa eine Verabredung mit dem Jungen aus dem Tischtennisverein einzufädeln, der bald auch der Klassenkamerad ist. «Hat man eine erste Anbindung in der neuen Klasse, macht das enorm viel aus», sagt Reimann-Höhn.

Und wenn der Start holprig ausfällt und das Kind mit Schulfrust nach Hause kehrt – vielleicht weil es blöde Sprüche gab? «Wichtig ist, den Kindern zuzuhören, wenn sie von ihren Erfahrungen berichten und alles ein Stück weit zu beobachten – ganz nach dem Motto «Ja, das war nicht schön für dich, aber vielleicht wird es morgen besser laufen»», sagt Wilhayn. Hilfreich kann auch sein, gemeinsam mit dem Kind eine Antwort auf die Frage «Was kann dir helfen?» zu finden.

Von Ricarda Dieckmann, dpa