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Mehr Gewalt in Familien erfasst

Eine Frau versucht, sich vor der Gewalt eines Mannes zu schützen (gestellte Szene). Auch im zweiten Jahr der Pandemie steigt die Zahl gewaltsamer Übergriffe auf Frauen. (Urheber/Quelle/Verbreiter: Frank May/picture alliance/dpa)

Die erfassten Fälle von Gewalt in der Familie sind auch im zweiten Jahr der Pandemie gestiegen – Expertinnen fordern für Sachsen-Anhalt ein flächendeckendes Beratungsangebot für Opfer von häuslicher und sexualisierter Gewalt.

In den großen Städten seien die Beratungszahlen zuletzt extrem gestiegen, sagte Anke Weinreich, Landeskoordinatorin bei häuslicher Gewalt und Stalking. Die Steigerungen bei den Beratungen zu häuslicher Gewalt etwa hätten bei rund 25 Prozent gelegen.

Gewalt gegen Frauen und Kindeswohlgefährdung

«Im ländlichen Bereich zeichnet sich das nicht so ab. Wir nehmen an, die Zugänge sind schwieriger.» Häufig gebe es keine Außenstellen oder andere Präsenzangebote, die wahrgenommen werden könnten. Das Opfer-Unterstützungssystem müsse gestärkt werden. In den Haushaltsverhandlungen zeichne sich eine Verbesserung ab, sagte Weinreich. Sie würde mehr Geld und Stellen für Beratungen, Schutzwohnungen, Frauenhäuser und auch Täterberatungen begrüßen.

Die Vorsitzende des Landesfrauenrates und Vorsitzende der Linken-Landtagsfraktion, Eva von Angern, wies darauf hin, dass nicht nur die Gewalt in den Familien und damit vor allem gegen Frauen zugenommen habe, sondern auch die Kindeswohlgefährdungen. «Wir als Landesfrauenrat erachten den Haushaltsentwurf als positiv, weil es mehr Geld für Unterstützungsleistungen zum Schutz von Frauen und Mädchen vor Gewalt geben soll. Wir bitten den Landtag, daran festzuhalten.»

Finanzielle Unterstützungsleistungen

Ihre Fraktion werde in der Landtagssitzung in dieser Woche zudem beantragen, dass die Beschäftigten der Frauenzentren, Frauenhäuser und Frauenberatungsstellen eine Corona-Bonuszahlung erhalten. Der Betrag solle sich an den ausgezahlten 1300 Euro für die Angestellten der Länder orientieren. Die Beschäftigten leisteten einen unschätzbaren gesellschaftlichen Beitrag. In der Corona-Pandemie hätten viele besonders viel Zeit und Kraft investiert, um Schutz- und Ratsuchende bestmöglich zu versorgen.

Die kürzlich vorgestellte Polizeiliche Kriminalstatistik des Landes zeigt einen Anstieg der registrierten Gewalt in engen sozialen Beziehungen. Meist geht es dabei um Gewalt innerhalb der direkt zusammenlebenden Familie. Die Zahl der Fälle war im ersten Pandemiejahr 2020 um rund 350 auf rund 4440 Delikte gestiegen. Im zweiten Pandemiejahr 2021 waren es nochmals 120 Fälle mehr, es wurden knapp 4560 Gewaltdelikte im engen sozialen Umfeld gezählt.

Körperverletzung, Bedrohung und Nachstellen

Am häufigsten kamen einfache Körperverletzungen vor, wie Landespolizeidirektor Karl-Albert Grewe erklärte. Die Zahl der registrierten Fälle habe bei 2500 gelegen. Im Jahr 2020 seien es noch fast 3000 Fälle gewesen. Im vergangenen Jahr seien zudem 532 Fälle von gefährlicher Körperverletzung erfasst worden, 712 Bedrohungen sowie 428 mal Stalking und Nachstellen.

Grewe wies darauf hin, dass nicht nur Männer Täter seien: Von 3591 Tatverdächtigen im Bereich der Gewalt in engen sozialen Beziehungen seien 2791 männlich gewesen und 800 weiblich. Bei den Opfern sei es umgekehrt: 3578 seien weiblich gewesen und 970 männlich.